Ausgangspunkt war ein Radiobeitrag der Sendung „Netzbasteln" auf Deutschlandfunk Nova, in dem eine KI-gestützte Vogelerkennung für den heimischen Balkon vorgestellt wurde – Software, die lokal, ohne Internetanbindung, anhand von Rufen Vogelarten erkennt. Carsten, hauptberuflich IT-Administrator und im Hobby seit Jahren Vogelbeobachter und Amateur-Naturfotograf, baute daraufhin seine erste eigene Station auf dem privaten Balkon.
Ausschlaggebend war dabei weniger die Erkennungsgenauigkeit selbst als die durchgehende Erfassung: Die Station hört 24 Stunden am Tag zu, auch nachts – etwa Kranichzug, der sonst unbemerkt bliebe.
Der heutige Hauptstandort für die BirdNET-Station kam durch eine Begegnung am Bienenstand Ladenburg (Apiary) zustande, wo die Bienenvölker stehen und der Honig zeitweise auch verkauft wird. Dort kam Carsten mit Dirk ins Gespräch, einem Evolutionsbiologen mit langjähriger Forschungserfahrung (mehr dazu auf der Seite „Info" von Dirks Flickr-Profil). Da sich seine Forschung grundsätzlich mit Fragen zur Biodiversität und Artendynamik beschäftigt, passte eine kontinuierliche akustische Vogelerfassung als weiterer Baustein gut in sein Themenfeld. Der eingezäunte Bienenstand mit seinen Bienenvölkern bot zudem ein vor Fressfeinden geschütztes Habitat mitten in der Feldflur.
Ende November 2023 wurde dort die vollautonome Station ca. 2 km entfernt vom Neckar aufgebaut – mit Solarpanel, Computer und Akku, unabhängig von jedem Stromanschluss. Seither läuft sie durchgehend, mit einer Verfügbarkeit von über 99 Prozent. In sonnenarmen Zeiten reicht die Solarleistung allerdings nicht aus; dann wird der Akku etwa alle drei Tage manuell gewechselt.
Aus der einen Balkonstation ist inzwischen ein Netzwerk aus drei Stationen geworden: die autonome Station am Bienenstand als Hauptstation, ergänzt durch zwei Balkonstationen im Stahlbühlring und am Merianweg. Wie sich diese drei Standorte – Feldflur, Siedlung und Flussaue – akustisch unterscheiden, zeigt der Vogeltransekt.
Carsten ist als Citizen Scientist für Planung, Bau und Betrieb der Technik verantwortlich und hat auch diese Website mit ihren Analysen und Visualisierungen erstellt, die auf den Rohdaten der Station(en) beruhen. Dirk ist als Privatdozent immer gern hilfsbereit, und beteiligt sich fachlich mit Rat und Tat. Insgesamt sind so über eine Million Vogelnachweise von mehr als 130 Vogelarten über einen Zeitraum von drei Jahren zusammengekommen.
Höhepunkt der biologisch wichtigsten Erfassungen war die Detektion von Nebelkrähen mit anschließenden Fotobeweisen. Raben- & Nebelkrähen sind als sogenannte Grauzonen-Arten ein Schlüsseltaxon bei der Erforschung der Artenvielfalt und im Übergang zur High-End Molekularbiologie der Artendynamik.